Geschichten aus dem Bunten Land...

... zum Staunen, zum Nachmachen und zum Weitererzählen!

Jeden Monat findet ihr hier eine Geschichte über spannende Pflanzen: Welche braucht man, um ein Feuer zu entzünden? Wie wird aus einer alten Fichte ein Piratenschiff? Welche Wildkräuter machen stark ... und welche Bauchweh?

Dank der Stiftung Umwelt & Entwicklung NRW  gibt‘s diese Geschichtensammlung später auch in einem Buch ... mit wunderbaren Fotos von Anne Starke.  Mehr dazu auf Instagram @aushecken und @annestarke.fotografie...

Wir beginnen natürlich mit einer Pionierpflanze ... na, welcher Baum hat eine solche weiße Rinde?

Die Birke

Hurra, ein neues Jahr!

Begeistert stapfen die Kinder durch den Schnee und freuen sich über die tiefen Spuren, die sie im „Bunten Land“ hinterlassen. Heute steht hier eine besondere Aktion an: Das neue Jahr soll mit einem Feuer begrüßt werden!

„Was brauchen wir dafür?“, Tobi guckt gespannt in die Runde.

Freda weiß es: „Holz natürlich!“

„Und zwar sowohl große Äste als auch ganz kleine Zweige,“ sagt Paul.

„Ganz genau,“ lächelt seine Mama, „denn mit dem Holz ist es wie mit einem guten Team. Es braucht die Kleinen, die sofort Feuer fangen genauso wie die großen Brocken, die nicht sofort anfangen zu brennen, aber später dann stundenlang verlässlich Wärme liefern“.      

Die Kinder stromern los. Tobi sammelt unter der alten Tanne kleine Zweige, Freda stapelt Paul einige mittelgroße auf die ausgestreckten Arme, Mio findet einen riesigen Kiefernast. Den tragen sie alle zusammen zur Feuerstelle … und haben viel Spaß dabei, das alles zu zerkleinern, bis sie eine Art Miniatur-Tipi daraus bauen können. Die großen Äste bilden das Grundgerüst, die kleinen schieben sie dazwischen. Dann stopfen sie das Ganze noch mit dem Stroh aus, das im alten Schoppen um die Ecke liegt und pflücken die wunderbaren weißen Puschel der Pflanze, die neben der Feuerstelle wächst. Was könnte das wohl sein? Na klar: Goldrute ... was sonst sollte so golden leuchten!

„Ob die wohl auch brennen?“, fragt Freda.

„Wenn du ein paar trockene erwischst!“

„So! Jetzt her mit den Streichhölzern“, fordert Paul. Lachend dückt sein Vater sie nicht seinem quengeldem Sohn, sondern Mio in die Hand. Tatsächlich kriegt der schon mit dem ersten Ratsch eine kleine Flamme hin. Doch als er diese an das Heu hält, fängt es nur an zu qualmen … und ist gleich wieder aus! Mio versucht es an einer anderen Stelle. Doch weder das Stroh noch die Puschel noch das Holz fangen Feuer.

„Es ist wohl alles zu feucht heute,“ meinen die Erwachsenen und wollen die Aktion schon abbrechen.

Da ruft Paul: „Stopp! Ich weiß, was wir brauchen: Birkenrinde! Die brennt sogar, wenn sie klatschnass ist!“ Mio flitzt sofort los und knibbelt etwas Rinde von dem weißen Baum ab, der neben dem alten Schoppen steht. Er entzündet sie … und tatsächlich! Die Birkenrinde brennt sofort lichterloh!

„Aber hey, wenn man einem lebenden Baum seine Rinde nimmt, wird er krank!“ beschwert sich Tobi. „Lasst uns einen toten Stamm suchen!“

Die Kinder stromern los. Schon bald hat Paul in dem kleinen Wäldchen eine umgefallene Birke entdeckt. Zusammen lösen sie so viel Rinde von ihr ab, wie sie nur können. Die platzieren sie im Stroh zwischen dem Holz am Feuer, in schmalen, hauchdünnen Streifen. Ob es jetzt wohl brennen wird?

Diesmal darf Paul das Streichholz entzünden und hält es an die Rinde.

Gespannt schauen alle, was passiert…

Tatsächlich: Die Birkenrinde brennt so hell und warm, dass sie schließlich auch das feuchte Heu ansteckt, dann die Goldrute, die kleinen Zweige und am Ende sogar die dicken Brocken!

„Hurra! Das wird ein tolles, neues Jahr!“, ruft Tobi. „Jetzt können wir uns was wünschen!“

Paul sagt: „Ich wünsche mir, dass wir noch ganz viele Feuer machen!“

 

Und was wünschst du dir?