Geschichten aus dem Bunten Land...
... zum Staunen, zum Nachmachen und zum Weitererzählen!
Jeden Monat findet ihr hier eine Geschichte über spannende Pflanzen: Welche braucht man, um ein Feuer zu entzünden? Wie wird aus einer alten Fichte ein Piratenschiff? Welche Wildkräuter machen stark ... und welche Bauchweh?
Dank der Stiftung Umwelt & Entwicklung NRW gibt‘s diese Geschichtensammlung später auch in einem Buch ... mit wunderbaren Fotos von Anne Starke. Mehr dazu auf Instagram @aushecken und @annestarke.fotografie...
Welchen Strauch lieben Mäuse? Weil er leckere Nüsse liefert und man sich darin prima verstecken kann!

Die Hasel
Freda entdeckt hinten im Garten die ersten Haselblüten. Wie flauschig die sich anfühlen! Freda reibt
sie zwischen ihren Fingern, bis sich der gelbe Samen löst. Dann wedelt sie einige der Kätzchen durch die Luft, lässt sie über das Gesicht tanzen. Ihre Hände gleiten über die glatten Äste und das gemütliche Nest, das sie formen. Ach, hier kann man fantastisch rumhängen!

Ab jetzt verschwindet Freda so oft wie möglich in den Haselnusssträuchern, die den Garten von den Feldern dahinter abgrenzen.
Doch eines diesigen Tages im Februar verkündet Papa: „Die Sträucher hier müssen wir fällen. Wir brauchen endlich einen vernünftigen Zaun, damit die Rehe nicht mehr ständig in unserem Gemüsebeet herumtrampeln!“
Freda ist entsetzt: Sie will, dass ihr Unterschlupf bleibt! Und sie freut sich auch über jedes Tier im Garten.

Traurig erzählt Freda ihren Freunden von der Sache. Mio seufzt, Paul gräbt die Hände in die Hosentasche. Was sollen sie nur tun?!
Tobi hat einen Gedankenblitz: „Wir holen unseren Opa, der hat die Lösung!“

Der alte Mann lacht sich kaputt, als er hört, dass die Haselnusssträucher verschwinden sollen, damit an ihre Stelle ein Zaun gebaut werden kann. „Haselnusssträucher sind doch selbst die besten Zäune der Welt! Zumindest, wenn man sie flechtet!“
Freda staunt. Bisher dachte sie, man könnte nur Haare flechten. Opa lacht über die verwirrten Gesichter. „Na, dann will ich euch mal in eine alte Handwerkskunst einweihen, die lebende Zäune entstehen lässt: Die sogenannten Flechthecken.“

Dann erzählt er, dass sie früher mit der Hasel Viehweiden umschlossen haben. „Das war nicht nur günstig und hübsch, sondern auch super für die Tiere. Und zwar nicht nur für die Weidetiere, sondern auch für Vögel, Insekten und kleine Säuger“.
Flechthecken bieten nämlich beste Futter- und auch Nistmöglichkeiten - zum Beispiel für den Wiesenpieper, einen schlaksigen Vogel mit langen Beinen und herrlichem Gesang.
„Leider ist er vom Aussterben bedroht, weil es heute nicht mehr so viel dichtes Gebüsch und wilde Ecken gibt wie früher“, erklärt der Opa. „Genau wie das Haselhuhn oder die Haselmaus, ein knuffiger Gesell, der den Großteil des Jahres nichts als in Ruhe schlafen will“.
„Das kann ich verstehen!“ sagt Fredas Papa. Die Kinder grinsen: „Na, klingt doch, als wäre allen geholfen, wenn wir aus den Haselsträuchern hier eine Flechthecke machen!“

Schon am nächsten Wochenende werkeln sie unter der Anleitung von Tobis Opa gemeinsam los. Erst erschrickt sich Freda darüber, dass als erstes einige ihrer Lieblingsäste abgeschnitten werden.
„Aber die wachsen wunderbar nach,“ erklärt der Opa.

„Und man kann tolle Sachen damit machen“, ruft Paul und formt aus den Zweigen einen Flitzebogen. Dann zeigt der Opa, wie man den magischen Weidenknoten macht, der die Haselruten an die richtige Stelle drückt – ganz ohne Metall oder Plastik. So entstehen drei Etagen … auf denen man auch super herumklettern kann!

Nicht nur Freda ist begeistert. Auch der Rest der Bande findet die Flechthecke wunderbar: Sowohl zum Spielen als auch um Tiere zu beobachten!
Was meint ihr, wer sich hier alles versteckt?
Welche Tiere nisten in Hecken und finden hier Unterschlupf?
Welche Pflanzen schützen sie vorm Aussterben?

Weiterführende Informationen zu den Flechthecken unter:
Nieheimer Flechthecke - Immaterielles Kulturerbe formt Kulturlandschaft
Teil 1 unserer Geschichten aus dem Bunten Land...
Wir beginnen natürlich mit einer Pionierpflanze ... na, welcher Baum hat eine solche weiße Rinde?

Die Birke
Hurra, ein neues Jahr!
Begeistert stapfen die Kinder durch den Schnee und freuen sich über die tiefen Spuren, die sie im „Bunten Land“ hinterlassen. Heute steht hier eine besondere Aktion an: Das neue Jahr soll mit einem Feuer begrüßt werden!
„Was brauchen wir dafür?“, Tobi guckt gespannt in die Runde.
Freda weiß es: „Holz natürlich!“
„Und zwar sowohl große Äste als auch ganz kleine Zweige,“ sagt Paul.
„Ganz genau,“ lächelt seine Mama, „denn mit dem Holz ist es wie mit einem guten Team. Es braucht die Kleinen, die sofort Feuer fangen genauso wie die großen Brocken, die nicht sofort anfangen zu brennen, aber später dann stundenlang verlässlich Wärme liefern“.

Die Kinder stromern los. Tobi sammelt unter der alten Tanne kleine Zweige, Freda stapelt Paul einige mittelgroße auf die ausgestreckten Arme, Mio findet einen riesigen Kiefernast. Den tragen sie alle zusammen zur Feuerstelle … und haben viel Spaß dabei, das alles zu zerkleinern, bis sie eine Art Miniatur-Tipi daraus bauen können. Die großen Äste bilden das Grundgerüst, die kleinen schieben sie dazwischen. Dann stopfen sie das Ganze noch mit dem Stroh aus, das im alten Schoppen um die Ecke liegt und pflücken die wunderbaren weißen Puschel der Pflanze, die neben der Feuerstelle wächst. Was könnte das wohl sein? Na klar: Goldrute ... was sonst sollte so golden leuchten!
„Ob die wohl auch brennen?“, fragt Freda.
„Wenn du ein paar trockene erwischst!“

„So! Jetzt her mit den Streichhölzern“, fordert Paul. Lachend dückt sein Vater sie nicht seinem quengeldem Sohn, sondern Mio in die Hand. Tatsächlich kriegt der schon mit dem ersten Ratsch eine kleine Flamme hin. Doch als er diese an das Heu hält, fängt es nur an zu qualmen … und ist gleich wieder aus! Mio versucht es an einer anderen Stelle. Doch weder das Stroh noch die Puschel noch das Holz fangen Feuer.
„Es ist wohl alles zu feucht heute,“ meinen die Erwachsenen und wollen die Aktion schon abbrechen.
Da ruft Paul: „Stopp! Ich weiß, was wir brauchen: Birkenrinde! Die brennt sogar, wenn sie klatschnass ist!“ Mio flitzt sofort los und knibbelt etwas Rinde von dem weißen Baum ab, der neben dem alten Schoppen steht. Er entzündet sie … und tatsächlich! Die Birkenrinde brennt sofort lichterloh!

„Aber hey, wenn man einem lebenden Baum seine Rinde nimmt, wird er krank!“ beschwert sich Tobi. „Lasst uns einen toten Stamm suchen!“
Die Kinder stromern los. Schon bald hat Paul in dem kleinen Wäldchen eine umgefallene Birke entdeckt. Zusammen lösen sie so viel Rinde von ihr ab, wie sie nur können. Die platzieren sie im Stroh zwischen dem Holz am Feuer, in schmalen, hauchdünnen Streifen. Ob es jetzt wohl brennen wird?
Diesmal darf Paul das Streichholz entzünden und hält es an die Rinde.
Gespannt schauen alle, was passiert…

Tatsächlich: Die Birkenrinde brennt so hell und warm, dass sie schließlich auch das feuchte Heu ansteckt, dann die Goldrute, die kleinen Zweige und am Ende sogar die dicken Brocken!
„Hurra! Das wird ein tolles, neues Jahr!“, ruft Tobi. „Jetzt können wir uns was wünschen!“
Paul sagt: „Ich wünsche mir, dass wir noch ganz viele Feuer machen!“

Und was wünschst du dir?

